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12.01.2011

Das virtuelle Rathaus, mein Hund & ich

Millionen Menschen nutzen Online-Banking seit Jahren, kaufen übers Internet ein oder bestellen Tickets fürs Musical - doch was bietet meine Kommune online?

 

Schweriner Volkszeitung
12. Januar 2011

Thomas Volgmann

SCHWERIN. Das Einfachste am Hundekauf ist der Kauf. Dem Tier ins Maul geschaut, als wenn man Ahnung hätte. Blick in den Impfpass. Geld auf den Tisch. Händedruck. Das war’s. Das war’s?

Nicht ganz. Der vierbeinige Kumpel muss bei der Verwaltung seines neuen Wohnortes Schwerin angemeldet werden. Das geht einfach, denke ich und versuche es gleich übers Internet.

Was in der Privatwirtschaft geht, müsste doch auch in der öffentlichen Verwaltung funktionieren: Schließlich kann ich vom Rechner aus bequem Plätze auf der Fähre nach Norwegen oder ein Hotelzimmer in London buchen. Auch Karten für Fußballspiele, Tickets für den Flieger oder das Ferienhäuschen an der Ostsee kann ich problemlos im Internet ordern. Millionen Menschen nutzen das Online-Banking seit Jahren. Warum also soll ich meinen kleinen Hund nicht über das virtuelle Rathaus www.schwerin.de einfach und bequem von zu Hause aus anmelden können?

Fußgänger auf der Datenautobahn

Der Beginn ist vielversprechend. Ich lande via Suchmaschine punktgenau auf der richtigen Seite des Schweriner Portals. Unter dem Stichwort „Hundeanmeldung“ erfahre ich , warum die Anmeldung so wichtig ist, und dass ich jährlich 90 Euro Hundesteuer löhnen muss. Super.

Am Ende der Seite wartet ein Link zum Anmeldeformular. Ich will die Datei ausfüllen und per Mausklick abschicken. Doch stattdessen werde ich aufgefordert, die Seite auszudrucken, auszufüllen und wie vor hundert Jahren ins Rathaus zur zuständigen Verwaltungsfachangestellten zu tragen. Was für eine Innovation? Ich komme mir vor wie ein Fußgänger auf der Datenautobahn. Papierstau im virtuellen Rathaus.

Auch auf den Portalen von Neubrandenburg, Rostock und Greifswald, auf die ich mich mit meiner Hundeanmeldung versuchsweise begebe, sieht es hundeelend aus. Alle schicken mich zum Amt. Vielleicht liegt es am Hund. Also probiere ich auf den kommunalen Internetportalen einige andere Dienstleistungen aus. Doch auch der Antrag auf einen Bewohner-Parkausweis, die Anmeldung einer Eheschließung, Sperrmüll, ein Bauantrag oder die Abbruchanzeige – keine öffentliche Leistung kann einfach und bequem zu Hause am Computer erledigt werden.

Warum funktioniert die Kommunikation mit Online-Warenhäusern, Banken oder Reiseunternehmen so viel einfacher als mit meiner Kommune? Wir erinnern uns: Spätestens seit 2003 arbeiteten die Kommunen nach einem Masterplan der Landesregierung für E-Government an ihren eigenen virtuellen Rathäusern. Ende vergangenen Jahres bekam Schwerin vom Innenministerium sogar 672 100 Euro – laut Pressemitteilung für den "Aufbau einer Internet-Plattform".

Für die Verwaltung gibt es einige Hürden

Warum also sind öffentliche und private Dienstleister im Internet so unterschiedlich aufgestellt? Bei der Suche nach Antworten helfen Fachleute wie Wirtschaftsinformatiker Birger Bösel, der in der Geschäftsleitung des Schweriner IT-Unternehmens Planet IC arbeitet, und Beate Grohs, Redaktionsleiterin bei Mvweb.

"Für die Verwaltung gibt es einige Hürden", sagt Birger Bösel und nennt zuerst die digitale Signatur. Für nahezu alle Vorgänge in Ämtern ist derzeit eine Unterschrift notwendig. Ohne Signatur keine Rechtssicherheit. Ein Ersatz für die Unterschrift könnte die elektronische Identifizierung über den Ende vergangenen Jahres eingeführten neuen Personalausweis sein. Doch die Verbreitung des elektronischen Passes und der entsprechenden Lesegeräte ist noch gering. Außerdem: Eine Bremse für die Entwicklung sieht Bösel in den Verwaltungen selbst. „Das Interesse ist in den Kommunen sehr unterschiedlich.“ Während sich einige aktiv mit den modernen Medien beschäftigen, halten andere an gewohnten Strukturen und Abläufen fest, sagt auch Beate Grohs von Mvweb.

Kostendruck und Wettbewerb sind als Antriebsfeder für Modernisierung in der Wirtschaft ohnehin größer als in der öffentlichen Verwaltung. Hinzu kommt, dass das Einsparungspotenzial mit dem virtuellen Rathaus geringer ausfallen wird. Denn E-Government bedeutet auch über lange Zeit Doppelstrukturen in der Verwaltung. "Man kann öffentliche Dienstleistungen nicht ausschließlich übers Internet anbieten, weil viele Menschen keinen Computer und kein Internet haben", gibt Bösel zu bedenken. Das altehrwürdige Amt bleibt neben dem virtuellen Rathaus bestehen.

Dennoch sind nach Ansicht von Redaktionsleiterin Grohs Erfolge beim Egovernment in Mecklenburg-Vorpommern unübersehbar. Beispielsweise wurde unter Federführung des Innenministeriums ein zentrales Dienstleistungsportal des Landes aufgebaut. Dort sind nahezu allen Informationen über die Verwaltungen bis ins kleinste Amt dargestellt. "Für Kommunen besteht die Möglichkeit, sich mit dem Portal zu vernetzen", schildert Beate Grohs. Damit kann Bürgern überall im Land eine Orientierung durch die für sie zuständigen Verwaltungen mit Verantwortlichkeiten, Öffnungszeiten und Telefonnummern angeboten werden.

Durch diesen Service weiß ich jetzt zumindest, wann ich morgen mit der Hundeanmeldung zum Amt fahren muss, um am Ende nicht auch noch vor verschlossener Tür zu stehen.

Thomas Volgmann

 
So wurde getestet

Eine Internetseite hat inzwischen jede Stadt, jeder Landkreis und jedes Amt in Mecklenburg-Vorpommern. Doch die Qualität ist sehr unterschiedlich. Gemeinsam mit Birger Bösel und Beate Grohs haben wir die Portale getestet. Allgemeine Kriterien für die Bewertung von Internetseiten sind:

  • Gute Benutzbarkeit (Web Usability)
  • Aktualität
  • Performance und Semantik (Seitenaufbau, HTML etc.)
  • Interaktion (Einbindung Nutzer)
  • Gefunden werden (Seite in Suchmaschinen)
  • Barrierefreiheit (Hilfen für Behinderte)
 
Schwerin

Die Startseite der Landeshauptstadt wirkt durch eine Vielzahl von Links und Informationen überladen und kleinteilig. Birger Bösel: "Positiv ausgedrückt, es passiert etwas auf der Seite." Auf dem ersten Blick findet man sich schwer zurecht. Das weiße Suchfeld auf weißem Grund ist kaum sichtbar. Durchsucht man die Seiten allerdings nach Begriffen, fällt auf, dass die Navigation benutzerfreundlich, präzise und ohne Brüche ist.

 
Neubrandenburg

Die Startseite ist übersichtlich und aktuell aber auch schlicht und eher bieder. "Bei der Suche nach Einzelbegriffen könnte es Probleme geben", sagt Birger Bösel, von Planet IC. Denn bei der Navigation gibt es Brüche. Neubrandenburg hat auf eine direkte Verlinkung mit dem Serviceportal des Landes verzichtet und stattdessen ein eigenes Informationssystem aufgebaut. Vorteilhaft ist die mögliche Optimierung für Sehschwache

 
Rostock

Rostocker Besonderheit: Verantwortlich für die Startseite ist eine Betreibergesellschaft, was im Impressum und an der umfangreichen Werbung erkennbar ist. "Erst über den Link ,Rathaus‘ bin ich in der Verwaltung", erklärt Birger Bösel. Diese Folgeseite wirkt aufgeräumt und übersichtlich. "Klassischer Aufbau mit Navigationsleisten auf der rechten Seite und oben", sagt Beate Grohs. Keine Beanstandungen bei der Aktualität.

 
Waren

Gleich auf der Startseite präsentiert sich Waren an der Müritz als Tourismuszentrum mit einem großen Bild. "Das ist für diese Stadt und die Eigenwerbung richtig", findet Beate Grohs. Die Bereiche Stadtverwaltung und Bürgerservice sowie Informationen für den Touristen werden klar unterteilt. Negativ: Die Schrift wirkt klein. Die Ämterübersicht enthält zwar Namen und Telefonnummern aber keine Öffnungszeiten.

 
Greifswald

Lob von den Experten: "Ein aufgeräumtes nutzerfreundliches Design, man findet sich gut zurecht", sagt Beate Grohs von MVweb. Die Aktualität auf der Startseite ist gut, nimmt aber auf den hinteren Seiten ab. Klickt man auf der Startseite auf den Link "Studenten" erfährt man als erstes, dass der Segeltörn mit der Greif am 10. Juni 2010 stattfindet.


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